WINDISCH-KAMNITZ


Die Gemeinde Windisch-Kamnitz im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz bestand aus der Ortschaft Windisch-Kamnitz mit den Ortsteilen Katzenberg, Rübengasse und Bornschlichte sowie dem einschichtigen Ortsteil Grundmühle, von dem aber nur ein Haus zu Windisch-Kamnitz gehörte (die anderen Häuser waren nach Kamnitzleiten eingemeindet). Die Gesamtfläche betrug 1.174 ha, die Gemeinde war damit eine der großflächigsten des gesamten Kreises Tetschen. Windisch-Kamnitz besitzt eine anmutige Lage in einem breiten, in nord-südlicher Richtung verlaufendem Wiesental. Im Westen wird es durch Hänge begrenzt, oberhalb derer sich die meisten Wirtschaftsstreifen der Bauern befanden und an die sich die Wälder des Rosenberges anschließen. Im Osten ist die Begrenzung des Tales felsig, sodass nur vier Wirtschaftsstreifen Platz fanden. Landschaftlich sehr reizvoll ist die Ferdinandsklamm mit der seit 1881 bestehenden Bootsfahrt. Die Klamm wird von der Dostwand, dem Hickschen- und Teufenstein sowie der Schwarzen Teufe eingeschlossen. Die Benennung der Klamm erfolgte nach dem Grafen Ferdinand Kinsky, dem damaligen Besitzer der Domäne Böhmisch Kamnitz. Das Gemeindegebiet wurde zu 35 % landwirtschaftlich genutzt und war zu 60 % bewaldet. Trotz der fehlenden Industriebetriebe war Windisch-Kamnitz 1945 kein reines Bauerndorf mehr. Auf den Bereich Land- und Forstwirtschaft entfielen 20 % der Bevölkerung, Industrie und Handwerk umfassten knapp 50 % und zu Handel und Verkehr zählten 13 % der Einwohner.

Die Pfarrei St. Wenzel in Windisch-Kamnitz wurde spätestens Ende des 13. Jahrhunderts gegründet und ist seit 1352 urkundlich nachgewiesen. Ab 1630 wurde die Pfarrei von der Stadtkirche in Böhmisch Kamnitz aus administriert. 1654 galt sie als Filiale der Stadtpfarrei. Seit 1761 wirkte ein „exponierter Kaplan” und 1856 wurde Windisch Kamnitz wieder zur selbständigen Pfarrei erhoben. Die Matriken sind durchwegs von 1712 an erhalten. Für die vorherige Zeit befinden sich Eintragungen in den 1630 beginnenden Kirchenbüchern von St. Jakob in Böhmisch Kamnitz. In alter Zeit bestand ein Erbgericht, 1488 war ein Bartil Weydel als Richter tätig. Für das 16. Jahrhundert ist eine Dorfruge bezeugt.  

Windisch-Kamnitz ist seiner Ortslage nach ein zweireihiges Waldhufendorf aus der Zeit der mittelalterlichen deutschen Siedlungstätigkeit und entstand vermutlich um das Jahr 1300 an der Stelle einer schon bestehenden Kleinsiedlung, die als Wegestation am Lausitzer Steig eingerichtet war. Nach einer Überlieferung soll schon 1015 eine kleine Ansiedlung bestanden haben. Der Name könnte auf die hier siedelnden Wenden (= Sorben) hindeuten. In den ältesten schriftlichen Nachweisen, den Papstzehentregistern von 1352 bis 1405 heißt es „Slavica Kamenicz“. Das älteste Kamnitzer Stadtbuch benennt folgende Namen aus Windisch-Kamnitz: Engelhardt (1381), Milner und Peiker (1382), Kreusel (1387), Vater (1393), Lorenz (1406), Kny, Molner, Micksch und Rencze (1451), Kreuche und Hampe (1482), Vater, Koschik und Weydel (1488) sowie Menzel (1500). Von 1555 sind die Einwohner Hofmann und Krompholz überliefert. In der Steuerrolle von 1654 sind 25 Bauern, sieben Gärtner und 13 Häusler verzeichnet. Die Familiennamen der Bauern lauteten Michel, Füller, Hackel, Kny, Kühnel, Lößel, Bieber, Zeckert, Lorenz, Rentsch, Pilz, Wagner, Hanke, Krahl, Sturm, Hickisch und Böhml. Die Gärtner hießen Hocke, Michel, Kühnel, Hübel und Kreibich. 1713 hatte Windisch Kamnitz 32 Wirte und 26 Häusler, zusammen also 58 Häuser. 1787 gab es 113 Häuser und 1833 schon 151 Häuser mit 869 Einwohnern. Die Volkszählungen von 1869 und 1890 wiesen 1.044 bzw. 1.090 durchwegs deutsche Einwohner aus. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Kny, Richter, Wagner, Fiedler, Hackel, Tietze, Zekert, Michel, Pilz, Füller, Kühnel, Büchse, Dittrich, Storm, Heinrich, Hickisch, Hofmann, Mildner, Schubert, Wonka, Beutel, Vater, Bayer, Bendel, Hanke, Palme und Thomas.

Nach dem tschechischen Gemeindeverzeichnis von 1965 hatte die Gemeinde Srbská Kamenice (= Windisch-Kamnitz) 329 Einwohner, die in 88 Häusern lebten. Am 28.08.2006 bevölkerten nur noch 210 Menschen den Ort, am 01.01.2018 waren es 266.

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