TICHLOWITZ


Die Gemeinde Tichlowitz im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus fünf Ortschaften: 1. Tichlowitz mit den einschichtigen Ortsteilen Kaute und Hörnl, 2. Nieder-Wellhotten mit den einschichtigen Ortsteilen Humpreska, Weberberg und Sperlingstein (hier nur „Kliemannel”, denn Böhm gehörte zur Gemeinde Babutin), 3. Ober-Wellhotten, 4. Pschüra nördlich des Grenzbaches (der südliche Teil gehörte zur Gemeinde Kleinpriesen im Kreis Aussig) mit dem einschichtigen Ortsteil Kohlloch und 5. Mühlörzen. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 857 ha. Die Ortschaften der Gemeinde Tichlowitz zogen sich teilweise am Elbufer hin, teilweise erstreckten sie sich in die Seitentäler der Elbe und an Berghängen hinauf. Das mit Buchen- und Nadelwald bestandene Bergland gehört zum Böhmischen Mittelgebirge. Der höchste Berg der Umgebung ist der Zinkenstein mit 684 m, der aber bereits auf Biebersdorfer Gebiet liegt. Die Gesamtfläche der Gemeinde war zu 32 % landwirtschaftlich genutzt worden und zu 62 % bewaldet. 16 % der Bevölkerung hatten ihre Existenz in landwirtschaftlichen Berufen. Die Hauptnutzung war der Obstbau. In Industrie und Handwerk waren 48 % und in Handel und Verkehr 19 % der Einwohner tätig. Die in Tichlowitz wohnenden Arbeiter fuhren nach Tetschen-Bodenbach, Politz und Aussig-Schreckenstein zur Arbeit.  

Tichlowitz wurde erstmals 1360 als Pfarrei erwähnt. 1384 erscheint es als Filiale der Pfarrei Neschwitz. 1412 war es selbständig und wurde nach der Rekatholisierung um 1621 wieder eine Filiale von Neschwitz. Die erneute Selbständigkeit erlangte die Pfarrei in Tichlowitz 1873 wieder. Zum Pfarrbezirk gehörten Tichlowitz, Mühlörzen, Nieder- und Ober-Wellhotten, Pschüra, Babutin, Rittersdorf und Wittine (welches schon im Kreis Aussig lag). Sämtliche Kirchenbücher sind seit 1674 erhalten. Das Patrozinium der Pfarrkirche von Tichlowitz „Johannis Enthauptung” könnte von der ursprünglichen Zugehörigkeit zum alten Johanniterbesitz herrühren. Die Kirche soll bereits 1284/85 als Kapelle errichtet worden sein. Das gotische Presbyterium stammt aus dem 15. Jahrhundert, als das kleine, vorhussitische Holzkirchlein niedergerissen worden war. Außerdem gab es eine Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes, eine Dorfkapelle bei Ober-Wellhotten, die Dreifaltigkeitskapelle in Nieder-Wellhotten und eine Kapelle in Mühlörzen. Das alte Tichlowitz hatte ein auch für Rittersdorf und Babutin zuständiges Schöppengericht, das sich im Hause Nr. 1 (= Erbschenke) befand.    

Tichlowitz
Der älteste Kern der Ortschaft Tichlowitz dürfte auf einen kleinen slawischen Siedlungsanfang im 10. oder 11. Jahrhundert zurückgehen, der als Wirtschaftshof zur Versorgung der Tetschner Burgmannschaft angelegt wurde. Vielleicht kamen auch bald einzelne Anwesen dazu. Mit dem Beginn des Landausbaues im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Ansiedlung in das größere, nach deutschrechtlicher Art mit einem Erbgericht ausgestattete Dorf Tichlowitz mit einbezogen. An diese älteste, vordeutsche Zeit erinnern hauptsächlich Flurnamen und die Siedlungsform, die keine Waldhufen erkennen lässt. Der Name dürfte auf einen Personennamen „Techla” zurückgehen und bedeutet „Ort der Leute des Techla”. Im 13. und 14. Jahrhundert wurde der Name ins Deutsche übernommen. Der Name des Ortsteils „Kaute” scheint dessen versteckte Lage im Tal zu verzeichnen und stammt aus dem altslawischen „kout” (= Winkel). Die erste urkundliche Nennung von 1363 lautet „Tyechlouicz”. 1571 wies der Ort 11 angesessene Mann aus und 1581 gab es 12 Wirte. Gemäß dem Herrschaftsurbar von 1624 standen 24 Häuser. Die Namen der neun Bauern lauteten Marx, Sasym, Bartsch, Groy, Hüttig, Jörkel und Wendt. Die übrigen Wirte und Häusler hießen Bartsch, Kunert, Borde, Grünzner, Gruner, Günther, Hora, Murre, Seidel, Steppan, Stolze, Strache und Tappicht. Weitere alte Tichlowitzer Namen waren zu jener Zeit nicht mehr vertreten, nämlich Schaffarsch (belegt 1515), Hanusch und Kunesch (1540) sowie Klim (1603). 1654 standen 26 Wohngebäude und 1713 sind 33 Häuser verzeichnet, darunter drei Bewohner, die Schiffer waren. Die Namen der Bauern waren Jäger, Jugel, Marx, Morre und Petzelt. Andere altansässige Namen kamen nur noch unter den Häuslern vor - so Hüttig, Stolze und Sasim. Der Name Pechanz trat damals zum ersten Male auf. 1787 wurden 43 Häuser sowie ein „prächtig gebauter Mayerhof, darinn viele schöne Gewölbe, die von Obst- und Getraidehändlern gemiethet sind” aufgelistet.

1833 gab es 52 Häuser und 296 Einwohner in Tichlowitz sowie einen Meierhof und eine Schule. 1869 lebten 355, 1890 schon 472 und 1910 schließlich 661 Bewohner im Ort. Maßgeblich für diese Entwicklung war das Aufblühen der Elbedampfschifffahrt, die Errichtung der Schiffswerft, der Obstexport und der Bau der Österreichischen Nordwestbahn 1873/74. Die häufigsten Familiennamen in Tichlowitz waren 1934 Gaube, Jahn, Richter, Jäger, Hüttig, Lösel, Stolz(e), Fohry, Fritsche, Jahnel, Pieke, Portsch, Wolf. Amstätter, Schmidt, Cerney, Dörre, Heier, Hein, Hetzler, Hübsch, Laube, Leisner, Preidel, Theißig und Wagner.  

Nieder-Wellhotten
Der Name Wellhotten lässt erkennen, dass es sich nicht um einen so alten Ort wie Tichlowitz, sondern um eine Rodungssiedlung einer frühen Ausbauperiode handelt, die seinerzeit hinsichtlich der Steuerabgaben eine mehrjährige Befreiung genoss wie zahlreiche andere Dörfer in Böhmen, die den gleichen Ortsnamen-Stamm (altslawisch „we lhote” = in der lhota gelegen). Der Name wurde dann beim mittelalterlichen Ortsausbau in verballhornter Form ins Deutsche übernommen. Obwohl die Anfänge des Ortes wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts liegen, stammt die älteste bekannte Nennung erst von 1543 (für 1515) und lautet in der tschechisch geführten Landtafel „przedny Lhota” (= Vorder-Wellhotten). 1571 und 1581 gab es in Nieder-Wellhotten fünf angesessene Mann - also fünf Bauern - und in den Urbaren von 1620 und 1624 waren in „Förder Wellhotta” bzw. „Nieder Wellhotta” bereits acht Häuser vorhanden. Die drei Bauern hießen alle Hüttig, der Gärtner Murre und die vier Häusler Perthen, Hüttig und Tappich. Um 1568 soll eine Familie Grund ansässig gewesen sein. 1654 standen sieben Häuser, in denen drei Bauern, ein Gärtner und drei Häusler mit ihren Familien lebten. 1713 sind wiederum sieben Wohngebäude verzeichnet. Die vier Wirte hießen Hantschmann, John, Morre und Theißig. Dazu kamen noch drei Häusler. 1787 hatte der Nieder-Wellhotten zehn Hausnummern und 1833 gab es elf Häuser mit 73 Einwohnern. 1869 wohnten 138 und 1890 schon 151 ausschließlich deutsche Bewohner in Nieder-Wellhotten. Der Höchststand wurde 1930 mit 190 Menschen (einschließlich 17 zugewanderten Tschechen) erreicht. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Lösel, Richter, Schneider, Bendel, Fohry, Gaube, Glanz, Kliemannel, Schröter, Stolz, Tepper, Trödel und Ungermann.  

Die meist zu Nieder-Wellhotten gezählte Einschicht Humpreska wurde 1543 (für 1515) als „Humprechticze” urkundlich genannt. Der Ortsname dürfte auf den deutschen Personennamen Humprecht zurückzuführen sein. Besitzer des einzigen Bauernhofes war 1624 und 1713 die Familie Lösel.

Die Einschicht Sperlingstein, auch „Unteres Sperlingsteinhaus” oder „Kliemannel” genannt, wurde 1869 gegründet. Die Einschicht Weberberg oder Gröschelsberg ist wahrscheinlich um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden - 1848 ist sie noch nicht aufgeführt.  

Ober-Wellhotten
Für die Gründerzeit und der Entstehung des Ortsnamens gelten die Ausführungen wie bei Nieder-Wellhotten sinngemäß. Bei der frühesten urkundlichen Nennung 1543 (für 1515) wurde der Ort als „Zadnij Lhota” (= Hinter-Wellhotten) bezeichnet. Erst 1624 beginnt die Bezeichnung Ober-Wellhotten. 1571 und 1581 gab es vier Häuser. In den Urbaren von 1620 und 1624 wohnten die zwei Bauern Hegenbarth und Seidel und die beiden Häusler Perthen und Hantschke im Ort. Gemäß der Steuerrolle von 1654 setzte sich „Welhota Wrchni” unverändert aus vier Häusern zusammen. 1713 waren es dann sechs Wohngebäude. Die Wirte hießen Donat, Matzke, Peißig und Seidel, die Häusler Gaube und Morre. 1787 standen acht und 1833 ebenfalls acht Häuser, in denen 51 Menschen lebten. 1869 hatte Ober-Wellhotten 55, 1890 schließlich 70 und 1910 dann 73 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen in Ober-Wellhotten waren 1934 Pöhlig, Büschel, Fohry und Heller.  

Pschüra
Die Ansiedlung Pschüra scheint ebenso wie Tichlowitz auf einen kleinen altslawischen Siedlungsanfang im 10. oder 11. Jahrhundert zurückzugehen. Der Ortsname dürfte soviel wie „vor dem Graben” oder „Ausschwemmung” bedeuten und steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem zwischen Lechenberg und Ziegenrücken herabstürzenden Kohlbachgraben. Die älteste Nennung Pschüras, das Anfang des 15. Jahrhunderts durch eine nachträgliche Besiedlung des rechten Kohlbachufers, wodurch sich die Ortschaft Pschüra (Tetschner Teil - im Unterschied zu einem auf Kleinpriesener Gebiet im Kreis Aussig gelegenen Teil) bildete, datiert von 1543 (für 1515) und lautet in der Landtafel „Przirow”. 1571 und 1581 gab es drei Wirte („angesessene Mann”) in Pschüra. Im Urbar von 1624 war der Ort auf sechs Häuser angewachsen und hatte als Bewohner die zwei Bauernfamilien Kunert und Panicke, die beiden Gärtnerfamilien Donat und Wagner sowie die beiden Häuslerfamilien Hanusch und Seidel. Auch 1654 gab es wie auch 1713 sechs Häuser im Dorf. Die Namen der Wirte waren 1713 Fritsche und Richter (als Bauern), Füger und Sengebarth (als Gärtner) sowie Fritsche, Kunigt und Seidel (als Häusler). Der andere Pschüraer Teil gehörte damals zur Herrschaft Teplitz und umfasste elf Häuser, in denen die Familien Hecht, Arlt, Borde, Herlitz, Hieke, Ehrlich und Weigel wohnten. 1787 ist „Pschira” mit 14 Hausnummern verzeichnet und 1833 werden elf Wohngebäude mit 56 Einwohnern genannt. 1869 hatte der Ort 62, 1890 nur noch 60 und 1910 dann 73 deutsche Einwohner. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Weigel, Dörre, Armstätter, Bilay, Hecht und Zeischke.  

Die Einschicht „Kohlloch” bestand schon im 18. Jahrhundert, denn auf der Josefinischen Karte von 1781/82 ist der „Kohlbauer” eingetragen.  

Berühmt-berüchtigt war die „Pschüraer Bande”, eine Räuber- und Schmugglerbande im 19. Jahrhundert, die ihr Unwesen in der ganzen Gegend trieb und den Wahlspruch gehabt haben soll „Den Reichen zum Trutz und den Armen zum Nutz”.  

Mühlörzen
Als ständiger Wohnplatz ist Mühlörzen erst im 17. Jahrhundert - vielleicht 1610 - entstanden, doch ist der Name der Örtlichkeit viel älter und wahrscheinlich auf eine früher dort bestehende Köhlerei zurückzuführen (altslawisch „milirz” = Meiler). Erster namentlich bekannter Bewohner war 1632 der Heger Tausig. 1787 gab es in „Milerzen” elf Häuser und 1833 dann zwölf Häuser, in denen 93 Menschen lebten. 1869 hatte der einsam gelegene Ort 62, 1890 nur noch 55 und 1910 gar nur 47 deutsche Einwohner. Die einzigen in Mühlörzen mehrfach vorkommenden Familiennamen waren 1934 Schneider und Gaube.  

Zur heutigen tschechischen Gemeinde Těchlovice (= Tichlowitz) gehört neben der Ortschaft Těchlovice selbst auch die ehemals selbständige Gemeinde Babetin (= Babutin). 1961 wiesen die einzelnen Ortschaften der Gemeinde die folgenden Einwohnerzahlen auf: Těchlovice 505, Předni Lhota (= Nieder-Wellhotten) 62, Zadni Lhota (= Ober-Wellhotten) 36, Přerov (= Pschüra) 28 und Milirsko (= Mühlörzen) sechs. Babetin hatte 51 Einwohner. In der gesamten Gemeinde Těchlovice lebten am 28.08.2006   512 Menschen, am 01.01.2018 waren es 525.

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