OBER-PRESCHKAU


Die Gemeinde Ober-Preschkau im Gerichtsbezirk Böhmisch Kamnitz bestand aus der Ortschaft Ober-Preschkau und dem einschichtigen Hegerhaus an der Gemarkung zu Hillemühl. Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 803 ha. Das Gemeindegebiet nahm eine von Osten nach Westen geneigte Mulde ein, in deren eigentlichem Taleinschnitt sich die Ortschaft befindet. Im Nordteil der Gemeinde herrscht Sandstein und im Südteil Basalttuff vor. Eine romantische Schlucht im Norden der Gemeinde wurde als „Teufelslöcher” bezeichnet. Die Gemeindefläche wurde zu 60 % forstwirtschaftlich und zu 40 % landwirtschaftlich genutzt. Auch vor der Industrialisierung war Ober-Preschkau kein typisches Bauerndorf, denn es wies beinahe ausschließlich kleinbäuerliche Betriebe auf, neben denen bald andere Berufe aufkamen. Schon im 17. Jahrhundert hielt die Glasveredelung und im 19. Jahrhundert die Glasindustrie ihren Einzug. 1939 fanden rund 11 % der Einwohner ihre Erwerbsquelle in der Land- und Forstwirtschaft, fast 64 % in Industrie und Handwerk sowie 11 % im Bereich Handel und Verkehr.  

Die Pfarrei St. Peter und Paul ist aus einer alten Filialkirche hervorgegangen, die im 16. Jahrhundert zur Pfarrei Steinschönau gehörte. Sie ist schon 1411 im Kamnitzer Stadtbuch benannt, als von einem Streit bei der „Prysker kirmessen” berichtet wird und für 1564 bezeugt. In der lutherischen Zeit wurde die Kirche stärker an Böhmisch Kamnitz gebunden und war 1654 eine Filialkirche der Stadtpfarrei St. Jakob in Böhmisch Kamnitz. Die Kirche wurde 1718 bis 1721 in barocker Form umgestaltet. 1787 wird von einem Lokalkaplan und 1833 von einem Expositen der Pfarrei von Böhmisch Kamnitz in Ober-Preschkau berichtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg waren auch Hillemühl und Falkenau bis 1784 zur Kirche in Ober-Preschkau zugehörig. Erst 1852 wurde in Ober-Preschkau eine selbständige Pfarrei errichtet, zu deren Sprengel Nieder-Preschkau samt Füllerdörfel gehörte. 2006 wurde die historische Glocke von 1651 aus der aufgehobenen Kirche von Letau bei Podersam in den Glockenturm gehoben und durch den Generalvikar des Bistums Leitmeritz feierlich geweiht.  

Vor 1850 bestand ein Dorfgericht. Von 1850 bis 1887 war der Nachbarort Nieder-Preschkau zur politischen Gemeinde Ober-Preschkau eingemeindet.  

Die Ortsgründung ist vermutlich zu einem späten Zeitpunkt im 14. Jahrhundert erfolgt. Es gibt aber auch die Ansicht, dass Ober-Preschkau schon im 11. Jahrhundert durch eine Gruppe von geflohenen Wenden (= Sorben) aus der Oberlausitz gegründet wurde. Dann wäre der spätere Ausbau im 14. Jahrhundert durch deutsche Siedler erfolgt. Die ältesten Nennungen sind im Kamnitzer Stadtbuch zu finden, jedoch ist Ober-Preschkau als solches nicht bezeichnet, sondern geht indirekt aus der Nennung „in der nidirsten Preisschav” hervor – demnach hätte auch ein „oberes Preschkau” bestehen müssen. Vermutlich war zu Beginn die verwaltungsmäßige Trennung zwischen Ober- und Nieder-Preschkau noch nicht vollzogen. Der Ortsname kommt allem Anschein nach aus der Ableitung des altslawischen „prysk” oder „prejsk” für Quelle. Die Steuerrolle von 1654 erfasste in „Presska Hornj” 56 Gärtner- und Häusleranwesen. Die Familiennamen der Gärtner waren Krahl, Wentzel, Vetter, Bischoff, Fiedler, Küttel, Lauermann, Thomas, Weidlich, Wetzig und Zincke. 1713 standen 73 Häuser. Viele Gewerbe dieser Zeit bezogen sich auf den Wirtschaftsbereich Glas (1684 hatte Graf Norbert Oktavian Kinsky die Glasmacherzunft in Steinschönau genehmigt, der auch Ober-Preschkau angeschlossen war). 1787 hatte Ober-Preschkau 96 Häuser. 1833 standen 119 Häuser, die 731 Einwohner beherbergten. Der Glashandel zu dieser Zeit wurde bis Polen, Rußland und die Niederlande betrieben.  

Bei den Volkszählungen von 1869, 1880 und 1890 hatte Ober-Preschkau mit 1.031, 1.047 und 1.002 ausschließlich deutschen Einwohnern den höchsten Bevölkerungsstand erreicht – eine Folge der aufblühenden Glasindustrie. Die häufigsten Familiennamen waren 1934 Fiedler, Friedrich, Ludwig, Wenzel, Köhler, Kühnel, Lorenz, Fritsche, Tischler, Jaksch, Klinger, Kny, Langer, Müller, Nittel, Schönberger, Beitlich, Donath, Endler, Krahl, Krause und Stolle.  

Die heutige tschechische Gemeinde Prysk (= Preschkau) besteht aus den drei Ortschaften Horní Prysk (= Ober-Preschkau), Dolní Prysk (= Nieder-Preschkau) und Füllerdörfel. 1961 lebten in Horní Prysk 236 Einwohner. Heute gehört die Gemeinde nicht mehr zum okres Děčín (=Kreis Tetschen), sondern zum okres Česká Lípa (= Kreis Böhmisch Leipa).

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